Das Bündnis für nachhaltige Stadtentwicklung kandidiert für den Göttinger Stadtrat sowie für die Ortsräte in Weende und Geismar.
Das Bündnis für nachhaltige Stadtentwicklung (BfnS) hat am 04.06.2026 in einer Aufstellungsversammlung seine Kandidaturen für die kommende Kommunalwahl bestimmt. Mitglieder des 2019 gegründeten Bündnisses treten in allen fünf Wahlbereichen der Stadt sowie in den Ortsräten Weende und Geismar an.
Als Spitzenkandidat für die Ratswahl wurde wieder Dr. Francisco Welter-Schultes im Wahlbereich 5 Mitte nominiert, seit 2021 Ratsabgeordneter für das BfnS, davor ab 2016 für die Piratenpartei. In den Bereichen Baupolitik, Umwelt und Verkehr möchte er auch in der kommenden Ratsperiode die Schwerpunkte seiner Arbeit legen. Welter-Schultes hatte 2023/2024 im Zuge der beiden Bürgerbegehren mehrere tausend Unterschriften gesammelt und ist aus diesem Zusammenhang vielen Göttingerinnen und Göttingern als eines der Gesichter des Göttinger Radentscheids bekannt.
Aufgrund des niedersächsischen Kommunalwahlrechts können Parteien und Wähler*innengemeinschaften in einer Stadt wie Göttingen keine gesamtstädtische Liste mit einer an der Spitze stehenden Person einreichen, sondern sie müssen vorher beurteilen, in welchem der fünf Wahlbereiche die Gruppierung voraussichtlich wie viele Stimmen erhält, und ihre Kandidaten entsprechend platzieren. Das BfnS erhält erfahrungsgemäß im Wahlbereich 5 Mitte die meisten Stimmen.
„Wir sehen in dieser Wahlrechtregelung ein Demokratiedefizit, da es für die Bevölkerung gänzlich intransparent bleibt, welche Personen bei einer kleinen Gruppierung realistische Chancen haben, in den Rat gewählt zu werden“, so Welter-Schultes.
„Es ist wie eine Art Geheimwissen, das wir der Bevölkerung voraushaben. 80 % der Göttinger Wahlberechtigten können auf ihrem Wahlzettel gar nicht sehen, wer für das BfnS am Ende in den Rat kommt. Aus Analysen der vergangenen Wahlen wissen wir, dass bei einer Gruppierung aus unserem politischen Spektrum der Spitzenkandidat bei der Ratswahl derjenige ist, der im Wahlbereich 5 auf dem Wahlzettel steht – aber das kann nicht die Idee hinter einer demokratischen Wahl sein“.
Derzeit ist anvisiert, dass Welter-Schultes sich nach etwa 2 Jahren im Rat von Dr. Lukas Flinzberger aus Weende ablösen lässt.
Flinzberger tritt als Spitzenkandidat für den Wahlbereich 4 Nord an sowie für den Ortsrat Weende-Deppoldshausen. Ein thematischer Schwerpunkt in Weende ist die zukünftige Nutzung des Dragonerangers, wobei sich der Umweltwissenschaftler strikt gegen ein Gewerbegebiet ausspricht und für eine Rückführung der Fläche in das Landschaftsschutzgebiet Leinetal plädiert.
„Die Pläne eines Oberbürgermeisterkandidaten, auf der Dragoneranger-Fläche Gewerbegebiete auszuweisen, halte ich aus mehreren Gründen für nicht zielführend. Ich werde mich dafür einsetzen, dass solche Pläne nicht umgesetzt werden“, so Flinzberger.
Mit Dr. Christian Bunn und Kornelia Völker tritt das BfnS erstmals für den Ortsrat Geismar an. Spitzenkandidat Bunn liegt als Familienvater vor allem die Sicherheit im Straßenverkehr am Herzen, er engagiert sich unter anderem für die Umsetzung des Radentscheids. Völker setzt sich für den Schutz von Bäumen und Stadtgrün ein und sieht die geplante Flächenversiegelung für den geplanten Feuerwehrneubau im Ortszentrum von Geismar kritisch.
„Geismar ist ein Stadtteil mit hoher Lebensqualität für Familien und ältere Menschen. Wir brauchen aber sichere Wege zu Schule, Gesundheitsversorgung und die Innenstadt. Der Feuerwehrneubau ist deswegen so kritisch, weil wir dringend Bereiche mit hoher Aufenthaltsqualität, wo Jugend und Nachbarn zusammen kommen können, benötigen“, so Bunn.
Erhard Langkeit, seit 2021 BfnS-Abgeordneter im Ortsrat Nikolausberg, wird dort nicht noch einmal antreten. Langkeit hatte jahrelang im umstrittenen Bauprojekt „Auf der Lieth“ planerische Defizite aufgezeigt und bis zuletzt versucht, politische Kompromisse zu erreichen. Die Vorschläge des Bürgerkreises „Nikolausberg hat Besseres verdient“ will jedoch weder im Rat noch im Ortsrat noch in der Verwaltung niemand auch nur lesen. Wie ein Beweis dieser These weigern sich Verwaltung und Rat am 12.06.2026 ein weiteres Mal, sich einen Kompromissvorschlag des Bürgerkreises anzusehen.
„In Nikolausberg müssen wir nach fünf Jahren enttäuscht feststellen, dass die Planung von Großbauprojekten nur ein Alles-oder-Nichts kennt und wie schon 2014 bei der IWF-Bauleitplanung am Nonnenstieg politische Kompromisse von keiner der drei großen Parteien gewollt werden. Niemand möchte auf eine oppositionelle Gruppierung zugehen und sie in den demokratischen Prozess einbeziehen. Die Stimmung im Ortsrat ist alles andere als gut. Wenn Demokratie sich so darstellt, ist es kein Wunder, dass politisch engagierte Menschen sich enttäuscht abwenden. Wenn wir sowieso nichts erreichen können, sehen wir schlichtweg keinen Sinn mehr in der Ortsratsarbeit“, so Erhard Langkeit als Fazit seiner jahrelangen Arbeit im Ortsrat.
„Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass die ökologisch wertvolle Fläche nicht bebaut wird, allerdings nicht mehr politisch. Da die Bauleitplanung bereits jetzt offensichtlich rechtsfehlerhaft ist, macht es mehr Sinn, Geld zu sammeln und uns in Zukunft auf rechtliche Schritte zu konzentrieren. Wir sehen gute Chancen, das Bauprojekt damit ganz zu verhindern.“
Langkeit weiter: „Der Bürgerkreis möchte an dieser Stelle seinen ausdrücklichen Dank für die über viele Jahre hinweg unermüdliche Unterstützung durch das Bündnis für nachhaltige Stadtentwicklung aussprechen – namentlich durch Herrn Dr. Welter‑Schultes. Ohne seine langjährige Erfahrung, seine fachliche Souveränität und seine Bereitschaft, sein Wissen jederzeit zu teilen, hätten wir so manche kommunalpolitische Phase aufgrund unserer eigenen Unerfahrenheit nicht in dieser Qualität meistern können.“
Der Bürgerkreis bleibe dem BfnS weiterhin eng verbunden und werde auch künftig zur gemeinsamen Sache einer nachhaltigen Stadtentwicklung beitragen.
Das BfnS kann die Entscheidung des Bürgerkreises nachvollziehen, bedauert sie aber.
„Auch im Stadtrat stellt sich die Arbeit zeitweise alles andere als kollegial dar. Wir kommen zwar an Informationen und können diese an die Bevölkerung weitergeben. Das ist tatsächlich einer der Hauptgründe, warum wir zur Ratswahl antreten. Aber die gegenwärtigen Bedingungen im Rat sind nicht gut. Gäste der Ratssitzungen wundern sich oft über den Tonfall, der auf Außenstehende abschreckend wirkt. Ratsfraktionen reden von Inklusion, handeln aber selbst nicht entsprechend. Ein freundlicher Umgang der Ratsmitglieder untereinander wäre notwendig, um den Bürgern unserer Stadt ein gutes Miteinander vorzuleben“, so Welter-Schultes.
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| Dr. Francisco Welter-Schultes Sprecher des BfnS Spitzenkandidat Wahlbereich 5 (Innenstadt) | Dr. Lukas Flinzberger stellv. Sprecher des BfnS Kandidat Wahlbereich 4 (Nordstadt) |
Bündnis für nachhaltige Stadtentwicklung Göttingen
– Der Vorstand –


